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31.08.04 - 3.30 Uhr: Berlin - Trotz Polizeieinsatz: Selbständige Montagsdemo wächst - Einheit macht stark!


Berlin (Korrespondenz): Schon beim Demonstrationsauftakt am Alexanderplatz zeigte sich eine gegenüber der Vorwoche deutlich gewachsene Anziehungskraft. Trotz intensiver Manipulation und Desinformation durch die Tagespresse festigte und erweiterte sich der Kreis der Montagsdemonstrierer um das Berliner Bündnis "montags-gegen-2010".
Der Versuch, direkt mit den nur 500 Metern entfernten Teilnehmern des Auftakts der 2. Demonstration am Roten Rathaus in Kontakt zu treten, um eine gemeinsame Demonstration durchzuführen, wurde von der Polizei in Zusammenarbeit mit den Anmeldern dieser 2. Demo aktiv verhindert: Der in diese Richtung postierte zweite Lautsprecherwagen wurde von der Polizei abgeschaltet, Dieter Ilius, einer der Sprecher des Bündnisses "montags-gegen-2010", von zwei Polizisten abgeführt und erst nach massivem Protest von mehreren Hundert Umstehenden wieder freigelassen. Zudem wurde der Demonstrationsbeginn um 18 Uhr mit Polizeigewalt verhindert und bis 18.30 aufgehalten, bis die zweite Demonstration genügend Abstand gewonnen hatte. Originalton eines Polizeioffiziers: "Wir haben Anweisung, die Durchführung von zwei verschiedenen Demonstrationen sicherzustellen. Die Anmelder der Demonstration ab Rotem Rathaus wünschen keine gemeinsame Demonstration!"

Als die Polizeikette um 18.30 Uhr immer noch das Leittransparent blockierte , wurde sie schließlich von der Demonstranten einfach weggedrückt - unter Jubel und besonders kämpferisch vorgetragenen Sprechchören "Weg mit Hartz IV - Das Volk sind wir!" begann diese dritte große Montagsdemonstration vom Alexanderplatz.
Während der Demo wurde das "offene Mikrofon" sowohl am Lautsprecherwagen als auch an der Demo-Spitze durchgeführt. Vielfältige und tiefgehende Beiträge kennzeichneten das Bild. Offen und freimütig wurde auch über die Rolle der MLPD diskutiert. Die Medienhetze von einer angeblichen "MLPD-Unterwanderung" der Alexanderplatz-Demonstration wurde unter viel Beifall zurückgewiesen und die Unabhängigkeit und Überparteilichkeit der Montagsdemonstration verteidigt - was die gleichberechtigte Mitarbeit der MLPD für viele inzwischen ganz selbstverständlich miteinschließt.
Großes Gewicht hatten die Berichte über die Ergebnisse der Leipziger Konferenz. Mit Begeisterung wurde der Beschluss zur Durchführung eines Sternmarsches nach Berlin am 3.10. aufgenommen und einmütig bestätigt.

Ein deutlich gewachsener Kampfgeist erfüllte die Demonstranten. In der Mitte und am Ende der Demonstration wurden nach kurzem Gerangel zwei weitere Polizeiabsperrungen überwunden, und mit sichtlichem Stolz und lautstarken Sprechparolen zog die Demonstrationsspitze auf den für sie eigentlich "verbotenen" Platz vor der SPD-Zentrale ein. (Der Lautsprecherwagen wurde an der Polizeisperre zurückgehalten). Dort lief inzwischen die Abschlusskundgebung der anderen Demonstration. Von deren Teilnehmern begrüßten viele die Ankunft der Alexanderplatzdemo - endlich ist man wieder zusammen, denn gemeinsam sind wir stärker!

Nicht begeistert waren allerdings die dortigen selbsternannten Führer von attac und linksruck. Sie waren nicht einmal bereit, den attac-Lautsprecherwagen für eine kurze Abschlussansprache der Alexanderplatz-Demo zur Verfügung zu stellen. Der Versuch, über eine mitgeführte kleine Anlage zu den Demonstranten zu sprechen, wurde mittels rabiater Ordner und Abspielen lauter Musik einfach unterdrückt! Empörung und ungläubige Fragen bei fast jedem, der das mitbekommen hat. Viele Menschen sahen bisher nur, dass es eine Spaltung in Berlin gibt. Nach den heutigen Ereignissen wird für immer mehr Leute klar, wer die Spalter sind und wem sie nützen! Die SPD-geführte Bundesregierung und der SPD-PDS-Senat in Berlin sollen aus der Schusslinie genommen werden - das ist Auftrag und Motiv der Spalter, die vielfach mit diesen Regierungsparteien verbandelt sind.

Auf dem unmittelbar an die Demo anschließenden Auswertungstreffen des Bündnisses "montags-gegen-2010" bekräftigten die  80 Teilnehmer, dass sie weiterhin um die Einheit der Berliner Montagsdemonstration ringen werden - allerdings nicht "um jeden Preis", sondern auf der klaren Basis des konsequenten Kampfs gegen Hartz IV.  Und dass sie noch intensiver am Berlin-weiten basisdemokratischen Aufbau ihres Bündnisses mittels Stadtteil- und Betriebskomitees arbeiten werden. Nächster Höhepunkt wird ein Solidaritätsfest schon am kommenden Samstag auf dem Alexanderplatz sein, wofür sich noch am selben Abend Dutzende als Helfer in die entsprechende "Mitmachlisten" eintrugen.

 

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